Grenzen zerfallen. Geschichten bleiben.
FEMALE KURDISTAN ist eine interdisziplinäre Ausstellung zeitgenössischer kurdischer Künstlerinnen im KINDL – Zentrum für zeitgenössische Kunst in Berlin. Gezeigt werden Installation, Film, Video, Malerei, Klang, Literatur und Performance.
Ausgangspunkt ist die bislang geringe institutionelle Sichtbarkeit kurdischer Künstlerinnen in der deutschen Kunstlandschaft. Obwohl Berlin zu den wichtigsten diasporischen Zentren kurdischer Gegenwartskultur gehört, gab es bisher keine größere Ausstellung, die diese Positionen in vergleichbarer Konzentration zusammenführt.
Im Zentrum stehen Fragen nach Erinnerung, Landschaft, Migration, Körperpolitik, staatlicher Gewalt und kultureller Selbstrepräsentation — kurdische Gegenwartskunst als selbstverständlicher Teil internationaler zeitgenössischer Kunstproduktion.
Großmütter, Mütter, Künstlerinnen, Aktivistinnen, Musikerinnen. Stimmen in drei Sprachen — kurdisch, deutsch, englisch.
Künstlerinnen, die zwischen Deutschland, Kurdistan, der Türkei, Syrien und dem Iran arbeiten — zwischen Migration, Mehrsprachigkeit und politischer Verschiebung. Jede Position ein Fragment der Karte.
Cemile Şahin (*1990 in Wiesbaden) ist eine deutsch-kurdische Autorin und bildende Künstlerin. Sie studierte am Central Saint Martins College in London und an der Universität der Künste Berlin. In ihrer interdisziplinären Praxis verbindet sie Literatur, Film, Fotografie, Installation und Textkunst.
Inhaltlich setzt sie sich mit Erinnerung, Migration, Medienbildern, Gewalt sowie kurdischer Geschichte und Diaspora auseinander. Bekannt wurde sie mit ihren Romanen Taxi (2019), Alle Hunde sterben (2020) und Kommando Ajax (2024).
Eine multimediale Videoinstallation, die filmische Montage, Archivmaterial, Social-Media-Bilder und digitale Bildästhetiken verbindet. Im Zentrum steht die Frage, wie Bilder politische Wirklichkeit prägen — und wie Kurdistan nicht nur als geografischer Ort, sondern als emotionaler und erinnerungspolitischer Raum erscheint.
Eine installative Videoarbeit über familiäre Erinnerung, Militarisierung und politische Gewalt. Das „Gewehr im Schrank“ wird zur Metapher für latente Bedrohung und generationenübergreifende Traumata — schnelle Montage, filmische Schnitte und digitale Bildwelten zwischen Nachrichtenbildern, Computerspielen und Popkultur.
Pınar Öğrenci greift in Objection of the Mothers of the City eine Protestaktion der Peace Mothers in Van auf. Rezzan Gümgüm führt ihre Langzeitperformance My / Red Lines über Grenzen, Kontrolle und Widerstand in Berlin fort. Arbeiten von Melike Kara, Leyla Yenirce, Nejbir Erkol und Zehra Doğan erweitern die Ausstellung um Malerei, Klang und Performance.
Listening Sessions und performative Beiträge verbinden musikalische Praxis mit Migration, Exil, Sprache und kultureller Kontinuität.
Lesungen und Gesprächsformate zu Frauenrechten, Trauma, Erinnerungskultur und gesellschaftlicher Teilhabe.
Traditionelle Praktiken — nicht folkloristisch, sondern als lebendige Wissens- und Erinnerungssysteme.
Feministische und community-orientierte Perspektiven, gemeinsam mit Berliner Initiativen entwickelt.
Den Abschluss bildet eine begehbare Lehmbauinstallation von Cemile Şahin mit weiteren Beteiligten. Auf Teppichen und bei Tee aus dem Samowar entsteht ein Raum des Verweilens, Lesens und Austauschs — Gespräche, Lesungen und Oral-History-Formate machen Besucher:innen zum Teil der räumlichen Situation.